Ganz direkt: nein, das Getriebe hat vorerst nicht gehalten.
Nach 1650 km bin ich erneut beim Getriebeinstandstzer vorstellig geworden, das Endlager der Schaltwelle war wieder laut.
Offenbar gibt es ein Schwingungsproblem.
Das Originallager 3305 D (Schrägkugellager zweireihig, geteilter Innenring mit 45° Anstellwinkel) heißt jetzt 3305 DA und ist entgegen verbreiteten Gerüchten immer noch im Sortiment, Typenblatt z.B:
https://medias.schaeffler.com/medias/de!hp.ec.br.pr/33..-DA*3305-DA-TVPDieses Lager wurde auch bei Porsche-Getrieben (356) verbaut und ist dort immerhin Serienleistungen bis zu 90 PS ausgesetzt.
Unklar ist daher, wie beim Arabella-Getriebe derart zerstörerische Schwingungen entstehen können. Allenfalls einen Anhaltspunkt liefert der folgende Text (Verschiedene Quellen, Zusammenfassung)
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| Unter Drehmoment wollen die belasteten Zahnflanken gemäß ihres Profils die Zahnräder auseinander schieben, diese werden aber
| von den Wellen davon abgehalten. Die Wellen nehmen diese Kräfte auf und werden radial in die Lager gepresst.
| Bei Schrägverzahnungen kommt dazu, dass sie sich aufgrund der Schräge zusätzlich seitlich voneinander verschieben wollen.
| Da die Zahnräder quer zur Welle stehen, ergibt sich daraus eine Längsverschiebung der Wellen, die dann axial abgestützt
| sein müssen.
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| In einem Verbrennungmotor herrscht nun aber kein gleichförmiger Dehmomentverlauf, vielmehr haben wir es mit einem
| „pulsierenden Drehmoment“ zu tun, stark immer dann, wenn ein Verbrennungsvorgang im Zylinder stattfindet, schwach
| zwischen diesen Verbrennungsvorgängen.
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| Dieser pulsierende Drehmomentverlauf wird in modernen Motoren über sog. Zweimassen-Schwungräder abgefangen, in älteren
| Konstruktionen aber über die Mitnehmerscheibe der Kupplung zum überwiegenden Teil an das Getriebe durchgereicht. Bei gelagerten
| rotierenden Wellen handelt es sich prinzipell um elastisch biegsame und damit schwingungsfähige Systeme. Deshalb kann es
| beim Durchfahren bestimmter Drehzahlen zu Resonanzen kommen, also zum Aufschaukeln der Schwingungsamplituden und entsprechend
| vielfachen Drücken im Lager.An der Stelle des 3305 wurde nun vor der Fahrt nach Ganderkesee ein sog. Stützrollenlager NUTR2562 verbaut:
https://medias.schaeffler.com/medias/de!hp.ec.br.pr/NUTR*NUTR2562Dieses Lager besitzt keinen Käfig, die Rollen laufen mit Schmierfilm gegeneinander und seitlich gegen eine Kante. Es ist daher radial und axial extrem belastbar, allerdings nicht für Dauerdrehzahlen über 4200 U/min (bei Lebensdauerschmierung mit Fett) ausgewiesen. Verbaut wurde allerdings nicht die dargestellte geschlossene sondern eine offene Version für Ölschmierung, die (lt. Instandsetzer) mit 4800 U/min für alle Drehzahlen der Arabella ausreicht, weil die Schaltwelle im 4. max. mit dem 0,9-fachen der Motordrehzahl läuft. Außerdem: wer fährt Höchstgeschwindigkeit und -drehzahl über Stunden?
Diese Version ist offenbar nur im Automotive-Sektor für ausgewiesene Fachbetriebe erhältlich (angeblich Hersteller KOYO, Japan).
Dies war anscheinend wenigstens die halbe Miete - Protokoll der zurückgelegten Kilometer mit dem Umbau:
km 2850 Di, 18.6.
Einbau, kurze Testfaht und Heimfahrt von der Werkstatt. Das schon aus dem vormaligen "Getriebeleben" bekannte Summen im 4. Gang tritt auf, ist aber nicht so unangenehm laut wie früher.
km 2865 selber Tag
Fahrt zum Tanken, schon hier lässt sich hören, dass außerdem ein Getriebelager beginnt, immer parallel zur Motordrehzahl mitzusingen.
km 3030 Mi, 19.6.
"Mitsingen" jetzt deutlich und immer hörbar in allen Gängen, beim Zurückschalten z.B.: mittel - sinkt ab - steigt höher an,
also genau das, was der Motor auch macht - auch im Leerlauf genauso deutlich, nur tieftönig.
Das 4.-Gang-Geräusch besteht ziemlich unverändert weiter.
Daneben gibt es ein ganz schwaches, sehr hohes turbinenartiges Pfeifen, das schnell im Unhörbaren verschwindet. Man hört es überhaupt nur, wenn man weiß, dass es vorher nicht da war.
Bei dem sehr hohen Geräusch tippe ich auf das Stützrollenlager, dies ist anscheinend nicht lauter geworden und scheint normal zu sein (Geräusch der Rollen gegeneinander und im Flankenbereich?)
Beim dem "Mitsingen" muss es sich wohl um die Getriebeantriebs-Seite handeln, hier hat etwas "nicht gehalten".
Der 4. Gang - eingetretener und nicht mehr zu ändernder Verschleiß an den Gangrädern selbst?
Wir sind bis km 3520 ca. gekommen, dann ist das Fahrzeug mit Bruch des Nockenwellen-Stirnrads liegengeblieben.
Das hat natürlich nichts mit dem Getriebe zu tun, so wird aber dessen erneuter Ausbau wegen der ohnehin erforderlichen Teilzerlegung des Motors zeitlich früher mit erledigt.
Soweit der momentan noch unbefriedigende Stand - das Schwingungsproblem schein tatsächlich auf der Getriebeeingangsseite zu liegen, es wäre zu klären, wie es zu derart starken Effekten kommen kann. Da der neue Motor extrem gut ausgewuchtet war - auch dynamisch Kurbelwelle und Schwungrad zusammen, tippe ich persönlich auf eine konstruktive Ursache wie Länge/ Eigenschwingung der Getriebeantriebswelle, womöglich trägt auch die fehlende Verrippung des Gehäuses zum Schwingungsverhalten bei.
Da ich das Thema nun einmal erfolgreich zuende bringen will, wird das Getriebe gegen Mitte Juli erneut zum Instandsetzer gehen.
Parallel haben wir auf dem Treffen beschlossen, einen Informationspool zu bilden.
Heinz B. konnte bereits klären, dass ZF weder an der Konstruktion noch jemals an Modifikationen beteiligt war.
Uwe besitzt werkseitige Unterlagen, die noch auf Hinweise zu Getriebeproblemen und deren Lösung gesichtet werden sollen.
Weitere Mitglieder haben schon Erfahrungen mit eigenen Getriebeüberholungen.
Ich koordiniere.
Jeder, der Hinweise geben oder Lösungen anbieten kann, ist herzlich aufgefordert!Ich geh' jetzt Auto aus dem Nachbardorf vom Rücktransport heimholen und fang' an zu zerlegen.
Manfred