12V - Lichtmaschine (beinahe original)
Verfasst: Sa 30. Sep 2017, 17:37
Ave Arabellisti!
Nach dem bekannten Motto "Warum sollte sich das denn nicht machen lassen?" geht es diesmal an eines der meistgescholtenen Bauteile der Arabella, die Lichtmaschine!
Zu den beiden letzten Treffen waren meine liebe Frau und ich ja mit der "Wohnschachtel" von Dethleffs unterwegs, und es war nichts als reines Glück, dass wir dabei vor einer Fahrt mit großem Licht verschont geblieben sind. Zwar hatte ich einen kräftigen Spannungsverdoppler installiert, der die benötigten 12 V für die Hänger-Leitungen lieferte, und eine elektronische Relaisstation gebaut, die das situationsgerechte Aufschalten mit großer Zuverlässigkeit erledigte, aber wenn ich mir eine Bremsung unter Scheinwerferlicht bei gesetztem Blinker und laufendem Fahrzeuglüfter vorstellen sollte, stellten sich immer die Nackenhaare auf.
Das Übel sollte also zusammen mit dem neuen Motor und der "Auffrischung" des Fahrzeugs an der Wurzel gepackt werden: Umrüstung auf 12V.
Damit stellt sich sofort die Frage nach der Lichtmaschine, und es gibt drei grundsätzliche Vorgehensweisen:
das sog. Umwickeln - mir nur aus eigener Aussage unserer österreichischen Freunde bekannt - und auch nicht sonderlich preiswert.
kompletter Ersatz durch ein Fremdteil:
Hier kommt prinzipiell nur eine Lichtmaschine mit 90mm Gehäusedurchmesser und gleicher Drehrichtung in Frage, und die gab es neben "Behördenkäfern" auch in den Porsche 356B bis 912.
Allerdings sollte doch erst einmal geprüft werden, ob deren sonstige Maße passen. Um es gleich vorwegzunehmen, sind sowohl Gehäuse- und Achslänge wie -stärke als auch alle Anschlussgewinde vollkommen identisch.
Aufgrund des magischen Preistreiber-Namens wird das Teil z.B. in Amerika schon mal für 600 $ angeboten. Hierzulande gibt es natürlch ebenso "Gestrickte", die für ein Gebrauchtteil 450 und mehr Euronen aufrufen. Tatsächlich startet man aber für ein Neuteil derzeit bei 330€ + Versand, Quelle:
https://kohl24.de/de/Lichtmaschinen/Lichtmaschine-Gleichstrom-Porsche-356B-1600-912-1.6-Coupe-Bosch-0101206113-12-Volt-25-Ampere-Made-in-Germany
Ich finde, ein nachdenkenswerter Preis, neu wickeln mit Porto liegt mindestens auch in dieser Größenordnung.
Die Gewindezapfen für die el. Anschlüsse sitzen identisch, nur das Rastloch für den Lichtmaschinenbock müsste noch angemessen und gebohrt werden.
Über die scheinbar andere Drehrichtung ("links") braucht man sich nicht zu wundern - der VW-Motor steckt hinten und gegenüber der Arabella gegen die Fahrtrichtung1
Diese Lichtmaschinen mit der Bosch-Nr. 0101206113 haben 14V, 25A bei 2900 U/min, nominell sind das 300 W.
Es gibt auch noch eine Version mit nur 20A, die bei etwa der Drehzahl wie beim 6V-Original schon voll liefert - nominell also 240 W bei gutem Ladeverhalten.
Von der Version mit 38A würde ich abraten, die braucht 3200 U/min.
Mir ist allerdings eine 25A Industriemotor-Lima (auch als Aggregate-Lima bei der Bundeswehr in Gebrauch) angeboten worden, recht günstig zwar, aber mit einer Anschlussform und -lage, die nun überhaupt nicht Arabella-konform ist. So kam nun Variante drei ins Spiel:
Umbauen
Alles VW-mäßige runter, das "Kästchen" ist kein Regler, sondern nur ein Anschlussbock für dicke geschirmte Kabel, in den von unten alle Elektrik einmündet.
Die langen Verbindungsschrauben zwischen denbeiden Deckeln lösen, stirnseitig ein Kontaktschräubchen ebenfalls, dann lässt sich die Ankerachse aus der Bürstenträger-Platte (Riemenscheiben-Seite) herausdrücken. Den Anker mitsamt der hinteren Lagerplatte herausziehen und auch den Bürstenträger abnehmen.
Dies ebenso bei der Arabella-Lichmaschine durchführen.
Bei beiden Lichmaschinen seitlich am Gehäuse die großen Schlitz-Senkschrauben lösen (Schläge mit kleinem Hammer auf einen außen am Schlitz angesetzten Durchschlag). Die Kabel der Arabella-Feldspulen kann man abschneiden, bei der VW-Lichmaschine die Kabel komplett nach innen fädeln, evtl. Befestigungen am Gehäuse lösen und dann jeweils die beiden Feldspulen entnehmen.
Wegen der anderen Geometrie müssen die Arabella-Anschlüsse ausgebaut, ausgelötet und an die 12V Feldspulen angelötet werden. Gewinde mit Brenner vorheizen, dann geht's (im Bild schon erledigt)!
Altes 6V-Gehäuse aufbereiten (hier gereinigt und mit Nylonbürste bearbeitet)
Zuerst die 12V Feldwicklungen einbauen und die Anschlussgewinde wieder am alten Ort im Gehäuse verankern - auf korrekten Sitz der Isolierungen achten. Gemeinsamer Widerstand der beiden Spulen ~5,4 Ohm (der schwarze Streifen ist ein Scheuerschutz für die Verbindung der beiden Spulen).
Anker einsetzen und Bürstenplatte montieren, beide Abschlussplatten (Lagerträger) verschrauben. Es passt alles 1 : 1!
Jetzt brauchen nur noch die neuen Leistungswerte eingeschlagen zu werden, dann ist die Lichmaschine fertig zum Bestücken und kann verwendet werden.
Anfangs hatte ich mir das schlimmer vorgestellt, wirklich verzweifelt bin ich nur beim Lösen der Senkschrauben, nachdem aber zwei Praktiker übereinstimmend die manuelle Schlagmethode favorisiert haben ...
Mir gefällt das Ergebnis jedenfalls.
Manfred
Nach dem bekannten Motto "Warum sollte sich das denn nicht machen lassen?" geht es diesmal an eines der meistgescholtenen Bauteile der Arabella, die Lichtmaschine!
Zu den beiden letzten Treffen waren meine liebe Frau und ich ja mit der "Wohnschachtel" von Dethleffs unterwegs, und es war nichts als reines Glück, dass wir dabei vor einer Fahrt mit großem Licht verschont geblieben sind. Zwar hatte ich einen kräftigen Spannungsverdoppler installiert, der die benötigten 12 V für die Hänger-Leitungen lieferte, und eine elektronische Relaisstation gebaut, die das situationsgerechte Aufschalten mit großer Zuverlässigkeit erledigte, aber wenn ich mir eine Bremsung unter Scheinwerferlicht bei gesetztem Blinker und laufendem Fahrzeuglüfter vorstellen sollte, stellten sich immer die Nackenhaare auf.
Das Übel sollte also zusammen mit dem neuen Motor und der "Auffrischung" des Fahrzeugs an der Wurzel gepackt werden: Umrüstung auf 12V.
Damit stellt sich sofort die Frage nach der Lichtmaschine, und es gibt drei grundsätzliche Vorgehensweisen:
das sog. Umwickeln - mir nur aus eigener Aussage unserer österreichischen Freunde bekannt - und auch nicht sonderlich preiswert.
kompletter Ersatz durch ein Fremdteil:
Hier kommt prinzipiell nur eine Lichtmaschine mit 90mm Gehäusedurchmesser und gleicher Drehrichtung in Frage, und die gab es neben "Behördenkäfern" auch in den Porsche 356B bis 912.
Allerdings sollte doch erst einmal geprüft werden, ob deren sonstige Maße passen. Um es gleich vorwegzunehmen, sind sowohl Gehäuse- und Achslänge wie -stärke als auch alle Anschlussgewinde vollkommen identisch.
Aufgrund des magischen Preistreiber-Namens wird das Teil z.B. in Amerika schon mal für 600 $ angeboten. Hierzulande gibt es natürlch ebenso "Gestrickte", die für ein Gebrauchtteil 450 und mehr Euronen aufrufen. Tatsächlich startet man aber für ein Neuteil derzeit bei 330€ + Versand, Quelle:
https://kohl24.de/de/Lichtmaschinen/Lichtmaschine-Gleichstrom-Porsche-356B-1600-912-1.6-Coupe-Bosch-0101206113-12-Volt-25-Ampere-Made-in-Germany
Ich finde, ein nachdenkenswerter Preis, neu wickeln mit Porto liegt mindestens auch in dieser Größenordnung.
Die Gewindezapfen für die el. Anschlüsse sitzen identisch, nur das Rastloch für den Lichtmaschinenbock müsste noch angemessen und gebohrt werden.
Über die scheinbar andere Drehrichtung ("links") braucht man sich nicht zu wundern - der VW-Motor steckt hinten und gegenüber der Arabella gegen die Fahrtrichtung1
Diese Lichtmaschinen mit der Bosch-Nr. 0101206113 haben 14V, 25A bei 2900 U/min, nominell sind das 300 W.
Es gibt auch noch eine Version mit nur 20A, die bei etwa der Drehzahl wie beim 6V-Original schon voll liefert - nominell also 240 W bei gutem Ladeverhalten.
Von der Version mit 38A würde ich abraten, die braucht 3200 U/min.
Mir ist allerdings eine 25A Industriemotor-Lima (auch als Aggregate-Lima bei der Bundeswehr in Gebrauch) angeboten worden, recht günstig zwar, aber mit einer Anschlussform und -lage, die nun überhaupt nicht Arabella-konform ist. So kam nun Variante drei ins Spiel:
Umbauen
Alles VW-mäßige runter, das "Kästchen" ist kein Regler, sondern nur ein Anschlussbock für dicke geschirmte Kabel, in den von unten alle Elektrik einmündet.
Die langen Verbindungsschrauben zwischen denbeiden Deckeln lösen, stirnseitig ein Kontaktschräubchen ebenfalls, dann lässt sich die Ankerachse aus der Bürstenträger-Platte (Riemenscheiben-Seite) herausdrücken. Den Anker mitsamt der hinteren Lagerplatte herausziehen und auch den Bürstenträger abnehmen.
Dies ebenso bei der Arabella-Lichmaschine durchführen.
Bei beiden Lichmaschinen seitlich am Gehäuse die großen Schlitz-Senkschrauben lösen (Schläge mit kleinem Hammer auf einen außen am Schlitz angesetzten Durchschlag). Die Kabel der Arabella-Feldspulen kann man abschneiden, bei der VW-Lichmaschine die Kabel komplett nach innen fädeln, evtl. Befestigungen am Gehäuse lösen und dann jeweils die beiden Feldspulen entnehmen.
Wegen der anderen Geometrie müssen die Arabella-Anschlüsse ausgebaut, ausgelötet und an die 12V Feldspulen angelötet werden. Gewinde mit Brenner vorheizen, dann geht's (im Bild schon erledigt)!
Altes 6V-Gehäuse aufbereiten (hier gereinigt und mit Nylonbürste bearbeitet)
Zuerst die 12V Feldwicklungen einbauen und die Anschlussgewinde wieder am alten Ort im Gehäuse verankern - auf korrekten Sitz der Isolierungen achten. Gemeinsamer Widerstand der beiden Spulen ~5,4 Ohm (der schwarze Streifen ist ein Scheuerschutz für die Verbindung der beiden Spulen).
Anker einsetzen und Bürstenplatte montieren, beide Abschlussplatten (Lagerträger) verschrauben. Es passt alles 1 : 1!
Jetzt brauchen nur noch die neuen Leistungswerte eingeschlagen zu werden, dann ist die Lichmaschine fertig zum Bestücken und kann verwendet werden.
Anfangs hatte ich mir das schlimmer vorgestellt, wirklich verzweifelt bin ich nur beim Lösen der Senkschrauben, nachdem aber zwei Praktiker übereinstimmend die manuelle Schlagmethode favorisiert haben ...
Mir gefällt das Ergebnis jedenfalls.
Manfred