Getriebeinstandsetzung - Erfahrungsbericht

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Letzter Fuffziger
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Re: Getriebeinstandsetzung - Erfahrungsbericht

Beitragvon Letzter Fuffziger » Do 18. Apr 2019, 10:08

Will mich mal mit einem aktuellen Stand melden.

Alles unverändert, das Getriebe "benimmt" sich anständig; geforderter Ölwechsel nach 1000 km ist erledigt, alles dicht.
Im Öl einige kleine helle Späne, ich nehme an vom "Zähneputzen" während der Kupplungseinstellung, ansonsten nur kaum erkennbarer Flitter, anscheinend Messing von den Synchronringen. Da gibt es immer Verschleiß, und auch die Konus-Flanken werden sich nach einem Austausch noch vollends angleichen.

Unglaublich, was etwas Öl mehr oder weniger beim Geräusch ausmacht. Hatten die Erstfüllung bis knapp unter Kante seitliches Kontrolloch stehen. Diesmal nach dem Verschließen von oben her noch 'n 1/4l mehr eingefüllt - selbes Öl. Das ist deutlich leiser jetzt.

Werde Euch so Ende der Saison abschließend berichten.
Manfred
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stephan
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Re: Getriebeinstandsetzung - Erfahrungsbericht

Beitragvon stephan » Do 18. Apr 2019, 18:12

na langsam wirds perfekt das bellchen !

glückwunsch

stephan
Arabellafahrer sind glückliche menschen ...und meisst frisch geduscht;-)

nachdem mails die von hier weitergeleitet werden meisst nicht ankommen sondern im spam filter landen ...

hystephan@aol.com bitte direkt benutzen !

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Letzter Fuffziger
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Re: Getriebeinstandsetzung - Erfahrungsbericht

Beitragvon Letzter Fuffziger » Do 18. Apr 2019, 18:40

Dafür muss sie aber über'n nächsten Winter zum Schneider ...

Sollte ich meine Türen jemals dicht und die ganzen kleinen technischen Wehwehchen in den Griff kriegen, könnte es fast was werden. :handgestures-thumbup:

Manfred
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Letzter Fuffziger
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Re: Getriebeinstandsetzung - Erfahrungsbericht

Beitragvon Letzter Fuffziger » So 30. Jun 2019, 11:49

Ganz direkt: nein, das Getriebe hat vorerst nicht gehalten.

Nach 1650 km bin ich erneut beim Getriebeinstandstzer vorstellig geworden, das Endlager der Schaltwelle war wieder laut.
Offenbar gibt es ein Schwingungsproblem.
Das Originallager 3305 D (Schrägkugellager zweireihig, geteilter Innenring mit 45° Anstellwinkel) heißt jetzt 3305 DA und ist entgegen verbreiteten Gerüchten immer noch im Sortiment, Typenblatt z.B: https://medias.schaeffler.com/medias/de!hp.ec.br.pr/33..-DA*3305-DA-TVP
Dieses Lager wurde auch bei Porsche-Getrieben (356) verbaut und ist dort immerhin Serienleistungen bis zu 90 PS ausgesetzt.

Unklar ist daher, wie beim Arabella-Getriebe derart zerstörerische Schwingungen entstehen können. Allenfalls einen Anhaltspunkt liefert der folgende Text (Verschiedene Quellen, Zusammenfassung)

| ...
| Unter Drehmoment wollen die belasteten Zahnflanken gemäß ihres Profils die Zahnräder auseinander schieben, diese werden aber
| von den Wellen davon abgehalten. Die Wellen nehmen diese Kräfte auf und werden radial in die Lager gepresst.
| Bei Schrägverzahnungen kommt dazu, dass sie sich aufgrund der Schräge zusätzlich seitlich voneinander verschieben wollen.
| Da die Zahnräder quer zur Welle stehen, ergibt sich daraus eine Längsverschiebung der Wellen, die dann axial abgestützt
| sein müssen.
|
| In einem Verbrennungmotor herrscht nun aber kein gleichförmiger Dehmomentverlauf, vielmehr haben wir es mit einem
| „pulsierenden Drehmoment“ zu tun, stark immer dann, wenn ein Verbrennungsvorgang im Zylinder stattfindet, schwach
| zwischen diesen Verbrennungsvorgängen.
|
| Dieser pulsierende Drehmomentverlauf wird in modernen Motoren über sog. Zweimassen-Schwungräder abgefangen, in älteren
| Konstruktionen aber über die Mitnehmerscheibe der Kupplung zum überwiegenden Teil an das Getriebe durchgereicht. Bei gelagerten
| rotierenden Wellen handelt es sich prinzipell um elastisch biegsame und damit schwingungsfähige Systeme. Deshalb kann es
| beim Durchfahren bestimmter Drehzahlen zu Resonanzen kommen, also zum Aufschaukeln der Schwingungsamplituden und entsprechend
| vielfachen Drücken im Lager.


An der Stelle des 3305 wurde nun vor der Fahrt nach Ganderkesee ein sog. Stützrollenlager NUTR2562 verbaut: https://medias.schaeffler.com/medias/de!hp.ec.br.pr/NUTR*NUTR2562
Dieses Lager besitzt keinen Käfig, die Rollen laufen mit Schmierfilm gegeneinander und seitlich gegen eine Kante. Es ist daher radial und axial extrem belastbar, allerdings nicht für Dauerdrehzahlen über 4200 U/min (bei Lebensdauerschmierung mit Fett) ausgewiesen. Verbaut wurde allerdings nicht die dargestellte geschlossene sondern eine offene Version für Ölschmierung, die (lt. Instandsetzer) mit 4800 U/min für alle Drehzahlen der Arabella ausreicht, weil die Schaltwelle im 4. max. mit dem 0,9-fachen der Motordrehzahl läuft. Außerdem: wer fährt Höchstgeschwindigkeit und -drehzahl über Stunden?
Diese Version ist offenbar nur im Automotive-Sektor für ausgewiesene Fachbetriebe erhältlich (angeblich Hersteller KOYO, Japan).


Dies war anscheinend wenigstens die halbe Miete - Protokoll der zurückgelegten Kilometer mit dem Umbau:

km 2850 Di, 18.6.
Einbau, kurze Testfaht und Heimfahrt von der Werkstatt. Das schon aus dem vormaligen "Getriebeleben" bekannte Summen im 4. Gang tritt auf, ist aber nicht so unangenehm laut wie früher.

km 2865 selber Tag
Fahrt zum Tanken, schon hier lässt sich hören, dass außerdem ein Getriebelager beginnt, immer parallel zur Motordrehzahl mitzusingen.

km 3030 Mi, 19.6.
"Mitsingen" jetzt deutlich und immer hörbar in allen Gängen, beim Zurückschalten z.B.: mittel - sinkt ab - steigt höher an,
also genau das, was der Motor auch macht - auch im Leerlauf genauso deutlich, nur tieftönig.
Das 4.-Gang-Geräusch besteht ziemlich unverändert weiter.
Daneben gibt es ein ganz schwaches, sehr hohes turbinenartiges Pfeifen, das schnell im Unhörbaren verschwindet. Man hört es überhaupt nur, wenn man weiß, dass es vorher nicht da war.

Bei dem sehr hohen Geräusch tippe ich auf das Stützrollenlager, dies ist anscheinend nicht lauter geworden und scheint normal zu sein (Geräusch der Rollen gegeneinander und im Flankenbereich?)
Beim dem "Mitsingen" muss es sich wohl um die Getriebeantriebs-Seite handeln, hier hat etwas "nicht gehalten".

Der 4. Gang - eingetretener und nicht mehr zu ändernder Verschleiß an den Gangrädern selbst?

Wir sind bis km 3520 ca. gekommen, dann ist das Fahrzeug mit Bruch des Nockenwellen-Stirnrads liegengeblieben.
Das hat natürlich nichts mit dem Getriebe zu tun, so wird aber dessen erneuter Ausbau wegen der ohnehin erforderlichen Teilzerlegung des Motors zeitlich früher mit erledigt.

Soweit der momentan noch unbefriedigende Stand - das Schwingungsproblem schein tatsächlich auf der Getriebeeingangsseite zu liegen, es wäre zu klären, wie es zu derart starken Effekten kommen kann. Da der neue Motor extrem gut ausgewuchtet war - auch dynamisch Kurbelwelle und Schwungrad zusammen, tippe ich persönlich auf eine konstruktive Ursache wie Länge/ Eigenschwingung der Getriebeantriebswelle, womöglich trägt auch die fehlende Verrippung des Gehäuses zum Schwingungsverhalten bei.
Da ich das Thema nun einmal erfolgreich zuende bringen will, wird das Getriebe gegen Mitte Juli erneut zum Instandsetzer gehen.


Parallel haben wir auf dem Treffen beschlossen, einen Informationspool zu bilden.
Heinz B. konnte bereits klären, dass ZF weder an der Konstruktion noch jemals an Modifikationen beteiligt war.
Uwe besitzt werkseitige Unterlagen, die noch auf Hinweise zu Getriebeproblemen und deren Lösung gesichtet werden sollen.
Weitere Mitglieder haben schon Erfahrungen mit eigenen Getriebeüberholungen.
Ich koordiniere.

Jeder, der Hinweise geben oder Lösungen anbieten kann, ist herzlich aufgefordert!



Ich geh' jetzt Auto aus dem Nachbardorf vom Rücktransport heimholen und fang' an zu zerlegen.
Manfred
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Re: Getriebeinstandsetzung - Erfahrungsbericht

Beitragvon borgideluxe » So 30. Jun 2019, 12:57

Hallo Manfred,

dass mit dem Lager ist interessant, aber auch erfreulich.
Meine Recherchen damals waren im Febr. 2002. Da war so ein Lager nicht zu bekommen.
Ich hatte das Glück, dass Herbert Neukirchen aus Italien welche ordern konnte.
Er hat mir eines davon überlassen, was ich heute noch in meinem Getriebe fahre.

Habe aber mal nach Unterlagen von damals gesucht und wahrhaftig noch was gefunden.

Dieses Lager hieß im übrigen auch damals schon 3305DA.
Hier die Unterlagen von damals, leider in sehr schlechter Qualität, da Telefax:
3305 DA.pdf


Hier das Lager aus einem Getriebe mit gebrochenem Lagerkäfig:

Schrägkugellager 3305 D 03.jpg

Schrägkugellager 3305 D 04.jpg


Dieses Lager stammte aus einem Getriebe, was ich ursprünglich in meine Arabella einbauen wollte.
Von dem Lagerkäfig aus meinem Getriebe ist nicht viel übrig geblieben.
Dieser hat mir die Zähne vom Differenzial so kaputt geschlagen, dass ich es entsorgen musste.
Leider habe ich davon keine Bilder gemacht.

Gruß
Joachim
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Re: Getriebeinstandsetzung - Erfahrungsbericht

Beitragvon Letzter Fuffziger » Mo 1. Jul 2019, 18:53

Das spricht ja ebenfalls für die Ersatztype, oder?

Dass bei einem Rollenlager in der beschriebenen Bauart eine Rolle oder ein Bruchstück davon den Weg nach draußen findet, halte ich für extrem unwahrscheinlich; auch als offenes Lager hat es seitlich nur einen Spalt. Vor einem Bruch müsste es außerdem kilometerweit zu hören sein.
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Re: Getriebeinstandsetzung - Erfahrungsbericht

Beitragvon borgideluxe » Mo 1. Jul 2019, 23:11

Hallo Manfred,

dass ist kein Rollenlager, es handelt sich hier um ein Schrägkugellager.
In sofern ist auch keine Rolle, auch keine Kugel nach außen geraten.
Durch den Druck (Fahrzeug überansprucht mit Wohnwagenfahrten, zusätzliche Überladung usw.) ist der Lagerkäfig kaputt gegangen und Stücke davon können sehr wohl nach außen gelangen. Diese machen dann die Verzahnung des Differenzial kaputt. Das Geräuch kam langsam und wurde immer schlimmer.
Das Lager auf dem Bild ist nicht das Lager aus meinem Getriebe sondern von einem anderen. An dem Lager von meinem Getriebe war kaum noch ein Lagerkäfig vorhanden. Ob der Ersatztyp besser ist, kann ich dir nicht sagen.

Gruß
Joachim

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Re: Getriebeinstandsetzung - Erfahrungsbericht

Beitragvon Letzter Fuffziger » Di 2. Jul 2019, 20:25

Falsch verstanden! :angry-nono:
Ich zweifle Deinen Bericht nicht an. Mein Text bezieht sich komplett auf die bei mir ersatzweise verbaute Lagertype! :mrgreen:
Was ich anfange, bringe ich auch zue

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Re: Getriebeinstandsetzung - Erfahrungsbericht

Beitragvon Letzter Fuffziger » Do 4. Jul 2019, 16:41

Womöglich hat mir das Nockenwellenrad mit dem Geräusch einen Streich gespielt ...

rad729.JPG

Wie man sieht, sind die Bohrungen aufgeschmolzen; zwei Schrauben haben sich so schräg gestellt, dass sie begonnen haben, am Gehäuse zu schaben. Das könnte womöglich das vermeintliche Lagergeräusch parallel zur Motordrehzahl gewesen sein. Das muss ich jetzt testen.

Vgl. auch den neuesten Beitrag zu den weißen Kunststoff-Schrott-Nockenwellenrädern!! http://altautobilder.de/Arabellaforum/viewtopic.php?f=15&t=451&p=3668#p3668
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